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Requiem for a Dream: was kommt nach dem Business Plan?

"Metrics" sind die neue Planzahlen

· startups,nachhaltige startups

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Geldgeber investieren nicht in einen Plan, sondern in ein Business. Kein Business Plan bereitet ein Gründerteam auf die Praxis vor. Der Entwurf kann Wochen verschlingen, ohne dass ein Einfluss auf den Unternehmenserfolg nachgewiesen werden kann. Stattdessen wenden sich immer mehr Gründer alternativen Gründungskonzepten zu, etwa Cloud-gestützten Softwareangeboten, die den Aufwand, einen Business Plan zu erstellen, zunehmend obsolet erscheinen lassen. Schlanke Gründungsprozesse konzentrieren sich auf Daten, die die Managemententscheidungen entlang der digitalisierten Wertschöpfungsprozesse informieren, leiten und korrigieren.

Das Verfassen eines Business Plans gehört für viele Gründer und Gründungswillige noch immer zu den wesentlichen ersten Schritten auf dem Weg in die Selbständigkeit. Auch im Umfeld von Existenzgründungsförderprogrammen für Studierende bleibt das 30-40seitige potenzielle Meisterwerk ein absolutes „Must“.

Und das nicht ohne Grund: die Auseinandersetzung mit den Stärken und Schwächen des Gründungsvorhabens und der eigenen Gründerpersönlichkeit war für Generationen von Gründern ein erfolgreicher Ansatz. Schon in den 80ern. Und den 90ern. Und den 00er Jahren.

Mittlerweile jedoch lässt sich ein zunehmend unverhohlener Trend zum Business Plan Bashing erkennen.

Gerade unter jungen Unternehmerinnen und Unternehmern der Generationen X und Y, in modernen, digitalen Geschäftsfeldern, und gerade abseits der medial ausgeschlachteten Restaurant-, Designlabel- oder Einzelhandelsgründungen.

Um diese schleichende Entfremdung vom ehemaligen Gründungs(verhinderungs-)instrument Nummer Eins zu verstehen, reicht ein Blick über den provinziellen Neulandteller. Das Umfeld für Gründungen mit digitalen Wertschöpfungsprozessen hat sich gerade in den letzten fünf Jahren dramatisch verändert. Aus technologischer, gesellschaftlicher und finanzieller Sicht (selbst die skurrilsten Geschäftsideen finden mittlerweile Investoren).

Fast nichts geht mehr ohne dieses „Internet“. Parallel zur Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen am Markt haben sich Infrastruktur- und Cloud-Angebote für potenzielle Gründer verändert. War eines ihrer vorrangigen Probleme früher, entweder zu wenige oder nur schwer interpretierbare Daten zu haben, sorgen heute Analytics Dashboard-Anbieter wie Cyfe für umfassende Transparenz. Und dafür, dass die Daten-Tsunamis auch für Geeks niedriger Level nachvollziehbar werden.

Hat man seine Webseite erst einmal mit Google Analytics und anderen Productivity-Tools (etwa Leadfeeder oder dem mehrfach ausgezeichneten Pipedrive) verbunden, und gegebenenfalls ein paar Prozessziele definiert,WEISS-MAN-ALLES.

Ob Alter, Geschlecht, sonstige Interessen, Sprungfolge und Besuchsdauer: Die Gäste der Webseite waren noch nie so leicht durchschaubar, oder mit anderen (vielleicht weniger verstörenden) Worten: noch nie konnten Startups ihre Vertriebstrichter und Marketingprozesse so stark individualisieren wie heute. Noch nie war es leichter, in Prozessen zu denken und zu arbeiten. Noch nie war es einfacher, belastbare Daten für die ständige, schnelle Überprüfung der Arbeitshypothesen zu nutzen. Dem Mantra der ständigen Optimierung kommt das schon unverdächtig nah.

Und nie war es leichter, mit vergleichsweise wenig Kapital ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen, das das eigene Wachstum aus dem umgehend erzielten Umsatz realisieren kann (wobei es stets schwer und riskant bleibt). Das Ganze dank attraktiven Software as a Service (SaaS)-Innovationen wie dem seit einiger Zeit vollkommen zu Recht gehypten Slack von überall auf der Welt.

Startup-Wachstum funktioniert in digital getriebenen Wertschöpfungsprozessen vor allem nach zwei Grundsätzen: Geschwindigkeit und Flexibilität. Startup-Teams der Generationen X und Y kommt das entgegen, denn sie sind von einem neuen Selbstverständnis geprägt.

Als Digital Natives sind ihnen lebenslange Unternehmenskarrieren und „9 to 5“ Schreibtischjobs fremd oder gar verhasst. Viele sehnen sich stattdessen nach schnellen Erfolgserlebnissen, Flexibilität, Verantwortung und Selbstbestimmung im Berufsleben. Oder sie gründen gleich selbst, manche bereits während des Studiums oder als erste Karriereoption. Mit ihren Freundinnen und Freunden aus dem global aufgestellten Netzwerk. Datengestützt, digital, mit dem globalen Markt im Auge.

Neue Kollaborationsmöglichkeiten werden schnell erlernt: ob die ortsunabhängige Zusammenarbeit mit Freelancern oder im Team, oder eben die zunehmende Integration der erwähnten Cloud-Services, die Funktionen wie Sales oder Social Marketing zunehmend aus ihren Silos befreien. Im Idealfall ist das Crowd-finanzierte Startup dann auch noch auf Nachhaltigkeit ausgerichtet, damit es vielleicht bald ein Problem weniger gibt.

Der Umgang mit neuen Tools ist dabei allerdings auch kein Automatismus. Der Silberstreif am Horizont: die Programmierer von heute haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt – und von Apple. Die Benutzeroberflächen sind heute zunehmend leicht verständlich, manchmal sogar nicht nur nützlich, sondern schlichtweg hübsch. Damit wird das moderne User Experience zu einer weiteren Säule eines neuen, kreativen Unternehmertums. Für den Business Plan bleibt damit oft nur noch ein Platz unter „ferner liefen“, dicht gefolgt vom Kredit der Hausbank, und der Einweihungsparty für das Ladenlokal.

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